Die Geschichte der Musikkapelle Bayrischzell

1867 Die Gründung

Jakob Fromberger Gründer und erster Kapellmeister der Musikkapelle Bayrischzell im Jahre 1867


Jakob Fromberger
Gründer und erster Kapellmeister der Musikkapelle Bayrischzell im Jahre 1867

Der Verfasser der Bayrischzeller Chronik Michael Meindl schrieb:

Am Andreastag, dem 3O.November 1867, gründete der damalige Lehrer Jakob Fromberger (gestorben im März 1924 als Chorregent von Pfaffenhausen bei Landshut) mit 12 Bayrischzellern eine Musikkapelle.

Es trafen 13 funkelnagelneue Musikinstrumente vom Instrumentenfabrikanten Bahrt, München, am genannten Tage in Bayrischzell ein, zur großen Bewunderung der damaligen Bevölkerung, weil man hier noch nie so schöne funkelnde Blechinstrumente gesehen hatte.

Die ersten Musikanten im Jahre 1867

Die ersten Musikanten
im Gründungsjahr 1867

Die Musikanten begannen sofort mit dem Lernen und Üben, so dass sie bereits am Hl. Abend des gleichen Jahres in der Christmette erstmals öffentlich auftreten konnten.

Weiter Zitiert aus Michael Meindls Chronik:

Im darauffolgenden Jahr, am 12. Juli 1868, dem Jahr der ersten Primiz im Zellertal, führten die jungen Musiker eine schöne Primizfestmesse auf und spielten Primiztafelmusik zur allgemeinen Bewunderung der anwesenden 5000!!! Festtagsteilnehmer der Primiz.

Die Kapelle musizierte zunächst hauptsächlich in der Kirche, zeigte jedoch auch auf Hochzeiten und bei Festen ihr Können.

1867 – 1925

Georg Acher Kapellmeister der Musikkapelle Bayrischzell von 1875 bis 1903

Georg Acher Kapellmeister von 1875 bis 1903

In dieser reinen Blechbesetzung spielte die Musikkapelle unter 5 Musikmeistern 55 Jahre lang. Gründungsmitglied Georg Acher war während dieser Zeit 28 Jahre Dirigent.

1922 übernahm sein Sohn Josef Acher die Leitung.

Er führte Holzblasinstrumente ein und verstärkte die Kapelle mit Klarinetten, so dass bereits 1924 in neuer Besetzung mit nunmehr 16 Mann ein Konzert geben werden konnte.

1926 – 1939

Einweihung des Musikpavillons im Jahre 1932

Einweihung des Musikpavillons im Jahre 1932 unter dem damaligen Kapellmeister Josef Acher

Mit dem einsetzenden Fremdenverkehr wurden ab dem Jahr 1926 in den Sommermonaten
regelmäßig Kurkonzerte – die „Standmusi“ – eingeführt und der Klangkörper entwickelte sich sehr in konzertante Richtung.

1932 bauten sich die Musikanten schließlich einen Musikpavillon
im heutigen Kurpark – damals der erste in der ganzen Umgebung. Er befand sich im Eigentum der Musikkapelle und stand auf dem Grund des Peterbauern, an den in den ersten Jahren ein Nutzungsausfall von „zwei Schubkarren Gras“ ersetzt werden musste.

In den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg erlebte die Bayrischzeller Musik mit einer Stärke von 20 bis 22 Mann ein Leistungshoch.
Während dieser Zeit wurde sehr viel klassische
Blasmusik interpretiert.

Im 2. Weltkrieg

Im Krieg, dem vier Mitglieder zum Opfer fielen, mussten die Daheimgebliebenen oft in kleinster Besetzung den Gefallenen die letzte Ehre erweisen .

Georg Acher Kapellmeister der Musikkapelle Bayrischzell von 1875 bis 1903

Verleihung der Ehrenabzeichen

Georg Acher Kapellmeister der Musikkapelle Bayrischzell von 1875 bis 1903

Das Musikzeichen der Nationalsozialisten

1945 – 1968

1947 – zum 80-jährigen Bestehen zeigte sich die Kapelle stark verjüngt.
Um damals ein in Metall geprägtes Festzeichen zu bekommen, mussten die Musikanten Edelmetall abliefern.

Trotz dieser Notzeitumstände war dieses Fest mit nur vier Nachbarkapellen, einem Festabend und einem Musikwettbewerb am Festsonntag eines der „Grüabigsten“ nach dem Krieg.

Nach dem Tod seines hocheingeschätzten wie erfolgreichen und ob seiner Strenge bei den Musikern gefürchteten Bruders Josef übernahm Hausl Acher im Jahr 1951 die Leitung der Bayrischzeller Musikkapelle.
Er war als Musikant an verschiedenen Instrumenten und Musikmeister fast 59 Jahre „aktiv“. Besondere Verdienste hat er sich in der Nachwuchsarbeit mit der Ausbildung vieler junger Musikanten erworben.

Daneben komponierte er zahlreiche Stücke und Lieder sowie 59 Märsche – für jedes Jahr seiner Mitgliedschaft einen.

In seine Zeit fiel auch das Hundertjährige Jubiläum 1967.
Zehn Kapellen aus der Nachbarschaft, aus Tirol und aus Südtirol gestalteten in bunter Reihenfolge das Jubiläum.
Bei der Gesamtaufführung intonierten rund 250 Musikanten den Marsch „Alte Kameraden“ und bis in die späten Abendstunden erklang aus allen Wirtsgärten zünftige Blasmusik.

1968 – 1993

Als Hausl Acher 1968 in den verdienten Ruhestand ging, wurde sein Neffe Hannes Acher neuer Musikmeister und führte damit eine lange Familientradition fort. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Kapelle musikalisch weiter und auch die Auftritte wurden immer mehr. In den 1980er Jahren hatten die Musikanten während der Sommermonate durchschnittlich zweimal in der Woche einen Auftritt. Dazu gehörten Kurkonzerte, Heimatabende, Wald- und Zeltfeste, Vereinsjubiläen Bergmessen und vieles mehr. 1982 fand zum ersten Mal das Starkbierfest der Musikkapelle statt. Diese eigene Veranstaltung gehört seitdem zum festen
Jahresablauf, bei der auch die Ehrungen für verdiente Mitglieder durchgeführt werden.

Ende 1982 konnten die Musikanten auch ihr erstes „eigenes“ Probelokal in den ehemaligen
Kindergartenräumen im Bayrischzeller Schulhaus beziehen. Bis dahin fanden die Proben im
Vereinsraum im Rathaus und früher bei verschiedenen Bauern in der Stube statt.

Nachdem der Pavillon im Kurpark in die Jahre gekommen und auch der Platz sehr beschränkt
war, entschlossen sich die Musikanten dazu, einen neuen, größeren und zeitgemäßen
Musikpavillon nach den Plänen von Hans Thaler zu bauen.

Im Herbst 1988 wurde der alte Pavillon abgebrochen und mit dem Neubau an gleicher Stelle im Kurpark begonnen, so
dass am Pfingstsonntag 1989 das neue Gebäude feierlich eingeweiht werden konnte.

Für das 125-jährige Gründungsfest wurde ein Festzelt aufgestellt um mit 10 Gastkapellen
aus der Nachbarschaft sowie der Musikkapelle Hafling aus Südtirol an vier Tagen gemeinsam
zu feiern. Nach der Festmesse am neuen Musikpavillon im Kurpark gab es eine feierliche
Gesamtaufführung aller anwesenden Musikkapellen und einen Festzug durch den Ort.
Hannes Acher legte nach 25 Jahren als Dirigent im Jahr 1993 den Taktstock nieder.

1993 – 2007

Hans Thaler wird 1993 zum neuen Musikmeister gewählt.

Seine besondere Leidenschaft ist der Alphornbau. Als Gründungsmitglied der Bayrischzeller Alphornbläser eignete er sich diese Fähigkeiten selber an und seine Alphörner sind heute weit über die Grenzen Bayerns hinaus gefragte Instrumente.

Als dann im Jahr 2001 die Räume der Musikkapelle im Schulhaus für schulische Zwecke benötigt wurden, musste ein neuer Proberaum gesucht werden.

Kurzerhand entschlossen sich die Musikanten dazu, ein eigenes Vereinsheim zu bauen. Die Gemeinde stellte das Grundstück neben dem Minigolfplatz am Seeberg zur Verfügung und Hans Thaler wurde wiederum als Architekt für das neue Musikheim tätig.

Mit viel Eigenleistung der Musikanten sowie zahlreichen Geld- und Sachspenden aus der Bevölkerung konnte das neue Haus nach eineinhalb Jahren Bauzeit im Jahr 2003 eingeweiht und bezogen werden.

Einweihung des Musikheimes 2003

Die Einweihung des Musikheimes im Jahr 2003